Eine herzliche Angelegenheit

Am letzten Sonntag war das Jour doux mit @queenofsoup, @doRisR, @kathaesskultur, @titlaflora und Elisabeth.
Wir haben Maroniherzen aus tout Wien verkostet – insgesamt 25 Stück.
Sie haben sich von der Form, Größe und auch vom preislichen her sehr unterschieden.
Das leichteste Herz von einer Konditorei war das von Blocher in der Stiftgasse mit 20g, das schwerste mit 59g war das von AIDA. Um 3,90 € war bei der City-Confiserie das teuerste Herz zu haben während mit je 1,40 € die Herzen waren Blocher und Eibensteiner am billigsten waren.
Von der Größe her hat es die dünnen grazilen gegeben und die foasten Maroniherzen. Es gab im Prinzip 2 Formen, die Maroniförmigen – die glaub ich allen beteiligten am besten gefielen, vor allem wenn ein schöner Spitz war und die Herzförmigen. Die Glasur war bei manchen glänzend, bei anderen eher matt – bei manchen sehr gleichmäßig, das es schon aussah wie ein Herz aus Kunstleder anstatt aus Schokolade und die, wo die Schokolade weggeblasen wurde.
Innen drinnen war die Füllung der Herzen von hell bis dunkel – fein bis bröckelig.

Das perfekte Herz vom äußerlichen in unseren Augen wäre gewesen: eine dünne glänzende Schicht Schokolade mit heller, cremiger Füllung und eine schöne Maroniform.

Geschmacklich war für mich besonders wichtig, dass sie „maronig“ und gar nicht beziehungsweise nur sehr dezent nach Rum schmecken und sich die Maronimasse mit der Schokolade sehr gut verbinden kann.

Wie die DoRisR in ihrem Blogeintrag erwähnte konnten sich die schönen geschmacklich oft nicht durchsetzen.

Ich war ehrlich gesagt sehr enttäuscht, wie viele nicht oder nur geringfügig gut schmeckten.
Viele hatten billige Schokolade zum überziehen verwendet, die einen schlechten Nachgeschmack hinterlassen, dann kommt noch dazu, dass Maroni oft eher mindere Qualität haben und eine einzige schlechte Maroni, wie Katha sagte, die ganze Masse einer Charge zusammenhauen kann. Trotzdem frag ich mich wie dann die ganzen Fremdaromen wie: Gasthaus, Schnitzel, Heustaub, Apfelmus und so weiter auf diese Spezzialität übergehen konnten – grad Konditoreien müssten sich mit der Lagerung gut auskennen.

Trotzdem kürten wir aus der Menge der Geschmacksverirrungen folgende 3 als die besten Wiener Maroniherzen, die diesen Namen auch verdienen:

Platz 3. erhielt Café Central, eine der berühmteren Wiener Kaffeehäuser
Form: groß, glänzend, ergonomische Griffmulden – Geschmack: rumig, cremig, süß
Platz 2. erhielt die Konditorei Sluka
Form: flach und mit Milchschokoboden – Geschmack: maronig, cremig, bisschen rum
Und Platz 1 machte die Schokoladenwerkstatt Woloszyn
Form: sehr unkoordinierte Freestyleform – Geschmack: maronig, sehr cremig, nicht mehlig
Eibensteiner Maroniherzen die zu den besten gehörten, laut Aussage der Verkäuferin beim Reimer auf der Wollzeile befand sich zwar 2 oder 3 mal darunter – aber nicht unter unsere Sieger. Die Frage nach der Frische erübrigt sich übrigens, weil jeder schwört sie am Morgen frisch hergestellt zu haben.

Ich habe nachgezählt und auf meinem Bogen ganze 11 Sorten Maroniherzen mit 4-5 oder mit einem kompletten Fetzen bewertet. Diese große Menge an unbefriedigenden Geschmack beziehungsweise die untere Mittelmäßigkeit der anderen löste bei mir ehrlich gesagt etwas Frust bzw. Zweifel an meine Geschmacksnerven aus.

Den Magen, obwohl wir von jedem Maroniherz nur ein kleines Eckchen kosteten, haben wir dann mit kräftiger Kost oder wie deutschen sagen „herzhafter Speisen“ wie die Heringssalate, Couscoussalat, Topfenkäse und ein gutes Gläschen Wein und last but not least Kathas sagenhafte Schwedenkräuter wieder ordentlich eingerenkt.

Erdäpfelschedel aka Reiwaschedl

Das ist eine echte Mühlviertler Hausmannskost. Ein Mühlviertler liebt die Kombination Erdäpfel und Speck, so wie ich. Gerade im Mühlviertel gedeihen die Erdäpfel hervorragend, weil ihnen das raue Klima taugt und der Boden sandig ist. Wenn es zu Erdäpfel-Speckgerichte noch Sauerkraut und Apfelkompott gibt, ist des Mühlviertlers Glück perfekt. Ja, nicht nur beim Chinesen gibt es Süßsauer.
Nun, eine solche Speise ist neben den Speckknödel und Erdäpfelnudeln (die Links führen zu den Rezepten der ehrenwerten Ellja) der Reiwaschedl.
Der Reiwaschedl hat nix mit Räuber zu tun, obwohl man den im Mühlviertel auch so ausspricht, sondern kommt vom Verb reiben. Der Schedl, den man auch Schädl schreiben kann hat auch nix mit dem Kopf zu tun. Ein Schedel ist ein Auflauf. Laut dem Buch „Das Mühlviertel Sprache, Brauchtum und Spruch Band 2 von Otto Milfait steht das Wort für Kuchen, vor allem im Oberen Mühlviertel (Bezirk Rohrbach).
Ich habe Lilly schon lange versprochen, den Reiwaschedl zu bloggen. Nachdem es eher ein Herbst/Wintergericht ist, komme ich erst heute dazu. Immerhin wollte ich auch noch ein passendes Foto machen.
Das Rezept habe ich übrigens aus dem Niederkappler Kochbuch.

Reiwaschedl

Zutaten: 7 große rohe Erdäpfel, 2 Semmerl oder Knödelbrot, 4 Eier, nicht ganz einen halben Liter Milch, eine Handvoll Grieß, Salz ca. ½ EL, Zwiebel, Knoblauch, Petersilie, Aromat und Bauchspeckscheiben, Butter zum Befetten

Zubereitung:
Erdäpfel schälen und reiben (ob fein oder grob bleibt sich gleich), dann in ein Sieb geben und gut waschen. In einer Schüssel geben und mit den anderen Zutaten bis auf den Speck vermischen. Eine große Rein/Kasserolle ordentlich mit Butter befetten und die Masse reingeben, darum heißt die Rein wahrscheinlich rein. Backen bis oben leicht gebräunt ist und Speckscheiben drauflegen. (Ein Tipp, eher einen fetten Speck nehmen, den magerer Speck dörrt aus und schmeckt dann sauer. ) Noch 5 Min. backen.

Wie lange er braucht, weiß ich nicht – weil ich ihn im Rohr des Holzofen gemacht habe. Die Dauer ist etwa eine halbe bis Dreiviertelstunde und von der Hitze her, würde ich 180°C nehmen. Die Menge ergibt etwa 10 geschickte Portionen
Reiwaschedl
So soll er in etwa aussehen.

PS: Ich denke, wenn man das so nicht mag und es magerer haben will, dann kann man mageren Speck in Würfel schneiden und unter der Masse heben, oder den Speck weglassen.
Im Kochbuch steht, wenn man die ganzen Gewürze bis auf das Salz weglässt kann man ihn auch süß essen, in dem man ihn mit Äpfelspeideln belegt, oder dazu Marmelade serviert.

Jörg Haider ist tot

Ich kann es nicht fassen und bin doch in gewisser Maßen auch betroffen.
Nein, nicht weil ich jemals FPÖ und BZÖ gewählt habe. Aber österreichische Politik ohne Jörg Haider – das gabs in meiner Erinnerung nicht. Es ist eine Ära zu Ende gegangen.
Meine ersten politischen Erinnerungen habe ich an Haider. Dass meine Eltern Gegner von ihm waren. In der 3. Volksschule hat ein Klassenkollege im Unterricht wie wir über Politik gesprochen haben – laut gesagt: „Der Haider ist ein Depp“. Die Enttäuschung und Wut meiner Eltern nach jedem Wahlabend, wenn die FPÖ wieder zugewonnen hat. Wie mein Vater 1999, nach der Wahlauszählung – er war damals Wahlbeisitzer, erzählt hat dass die FPÖ die zweitstärktste Kraft in unserem Wahlsprengel war. Die Fassungslosigkeit wie sie auch auf Bundesebene 2. wurden. Als die Strahlkraft sank. Wie das BZÖ gegründet wurde. und zuletzt wie das BZÖ sich wieder verdreifacht hat.

Er war ein Politiker der Emotionen erzeugt hat. Haider-Titel verkauften sich in den 90igern massenweise. Fast wie bei einem Popstar. Der Falter verhängte ein Bilderverbot über ihn. Er erzeugte Wut auf Ausländer oder auf Rot-Schwarz und auch die Wut gegen ihn. Er spielte mit der Rhetorik von aggressiv bis staatsmännisch von burschenhaft bis väterlich. Der Wechsel allein war bei ihm beständig. Bewunderung und Spott wurde ihm zu Teil. Er war immer aufregend durch seine Tabubrüchen und apolitischen Verhalten. Er konnte sich hervorragend in Szene setzen, selbst mit so unsinnigen Ortstafelverrücken und doch hatte er sein Ohr beim Volk. Seine letzte politische Aussage und Tätigkeit brachte mich zu Weißglut. Ich habe oft gebloggt über ihn. und tu es jetzt auch immer wieder.

Nun mein Beileid gilt seiner Familie.

Doch wie wird es politisch weitergehen?
Und was wird von Jörg Haider bleiben?

Erlebnis Einkaufen: Erdäpfel

ich staune immer wieder, beim Einkaufen was es alles gibt oder nicht gibt.
Diesmal haben es mir die Erdäpfel/Kartoffeln/Krumpera angetan.

Nunja, geh ich durch den Supermarkt bzw. in der Gemüseabteilung und such mir das von mir benötigte und gewünschte Vitaminlieferanten aus. Darunter auch Erdäpfel. Bekanntlich gedeihen die ja fast überall und deswegen bin ich ja nicht erstaunt, dass es die auch in Zypern und Israel wachsen. Aber, dass sie ausgerechnet auch in Österreich angeboten werden verwundert mich schon. Entschuldigung, aber hat Österreich nicht genug Erdäpfel bei
Anbau von ungefähr 700.000 Tonnen? (Quelle: Landwirtschaftsministerium) Das wären ungefähr 87,5 kg pro Kopf in Österreich. Wenn ich mich nicht verrechnet habe. Ich habe rund 8 Millionen Österreicher genommen.
Ich habe mich übrigens ganz fast regional für die Erdäpfel aus dem Weinviertel entschieden. Natürlich mit dem AMA-Gütesiegel. Und zwar die Sorte: Tosca. Eigenartige Erdäpfelnamen gibt es. Von daheim, da wir auch welche anbauen für den Eigenbedarf, weiß ich auch noch einige. Ares, Julia, Hermes, Welser und Kipfler etc. Die letztere Sorte ist sehr lästig beim Klauben aufgrund der Kleinheit und die Menge lässt auch zum Wünschen übrig. Oftmals sehr klein, aber sehr fein zum Essen. Der Name kommt übrigens vom Aussehen wie ein Kipferl (österreichisch für Croissant) Nun haben sie daheim die letzten Jahre den Kipflerersatz Linzer Delikateß angebaut. Die sind weniger risikoreich von der Ernte her.

Doch noch eine zweite mich eher mehr erheiternde als verstörende Entdeckung machte ich auch noch. Es gibt Mikrowellenerdäpfel. Ähm wohl eher Mikrowellenerdäpfelchen. Ein typisch österreichisches –erl reicht da nicht aus um die Kleinheit zu demonstrieren. Da muss schon das bundesdeutsche –chen her. Also diese Mikrowellenerdäpfelchen sind in einer Folie eingeschweißt. Darauf steht dieses Märchen, dass die ganz natürlich unbehandelt sind. und dass sie nach 6 Minuten bei 650 Watt gar sind. Da frag ich mich doch, ob das im Verhältnis steht zu den Mikrowellenpopcorn. So ein Kukuruzkörndl ist doch um mindestens 20 mal kleiner als so ein Minierdäpfelchen. Ich gestehe es, ich weiß zwar nicht wie lange Mikrowellenpopkorn brauchen, weil ich nie welche mache. Popcorn schmecken meiner Meinung nach häufig, wie diese Styroporkügelchen die in den Verpackungen stecken um Dinge vor Stöße zu schützen. Ich kann das bestätigen, ich hab beides gekostet, auch wenn das Styropor wohl schon etwa 20 Jahre her ist…