alt aber trotzdem gut – Tell a Story

ich höre als Landwirtstochter von vielen Städtern und Nichtbauern, dass Bauern ständig mit den fettesten Traktoren herumfahren und immer die neuesten Maschinen kaufen. Bei diesem Vorurteil sehe ich wirklich rot. Als Bauer wäre es wirklich super, wenn man sich nicht so genau überlegen muss es zu kaufen ohne auf den Kontostand zu achten bzw. ob es sich auszahlt einen Kredit aufzunehmen. Immerhin sind es Investitionen zur Produktion – die doch gewissermassen nicht nur vom Geschick abhängt, sondern auch von den äußeren Umständen wie dem Wetter.

Die Realität zumindest bei den Bauern die ich kenne ist, dass natürlich Maschinen neu gekauft werden, aber dass manche wirklich sehr lange genutzt werden. Es ist oft aber so, dass Bauern eine Gemeinschaft bilden um sich eine größere Maschine anzuschaffen, die sie beispielsweise nicht so oft brauchen oder einen anderen Bauern mit dieser Maschine via Maschinenring kommen lassen, der die Arbeit dann erledigt. Ich finde das macht auch Sinn und ist ressourcenschonend. Allerdings ist es auch häufig so, dass Maschinen wirklich lange benutzt werden und viele Landwirte sind fähig ihre Maschinen auch selber zu reparieren, ohne dass sie in eine Werkstatt fahren müssen.

Sowohl beim Anbau als auch bei der Ernte von den Erdäpfeln/Kartoffeln sind die in meiner Herkunftsfamilie benutzten Geräte alt. Wie alt die Maschinen genau sind, weiß ich nicht. Da jetzt April ist, stell ich euch die Setzmaschine vor.

Erdäpfelsetzmaschine
Dies sogenannte Erdäpfelsetzmaschine besteht aus einem Korb, in dem man die Erdäpfel hineingibt. Unten ist eine Öffnung, wo die Personen, die an den beiden Arbeitsplätzen der Maschine sitzen, diese entnehmen können. Die Personen geben dann den einzelnen Erdapfel in den Sektionen eines langsam drehendem Speichenrades, der sie dann durch durch ein Rohr in die Erde befördert. Die Pflugscharen sorgen noch dafür, dass über der Kartoffel die Erde angehäufelt wird. Auf Wikipedia wird diese Art von Erdäpfelsetzmaschine als halbautomatisch und mittlerweile schon als historisch betrachtet. Diese Art war auch bis Anfang der 1960iger der Standard. Danach kam die Vollautomatik.
erdäpfelsetzen

Nachdem man diese Arbeit auch nur einmal im Jahr macht, finde ich sie nicht eintönig und sehe es als Abwechslung zu meiner bezahlten Arbeit in Wien. Ich finde auch die Sitze sehr bequem und formidabel. Sie haben aus meiner Sicht sogar Potential Kultsitzgelegenheiten zu sein. Diese Form, perfekt der Anatomie des Gesäßes angepasst und diese Löcher sind schon sehr stylish.

Der Anbau von Erdäpfel/Kartoffel erfolgt Ende April, Anfang Mai. Da gibt es auch den Merkspruch: „Setzt man mich im Mai, komm ich glei – setzt man mich im April, komm ich wann ich will.“

das ist mein Beitrag für Tell a Story zum Thema – Altes von Emma

10 Gedanken zu „alt aber trotzdem gut – Tell a Story

  1. Den Spruch vom setzen kenne ich von meiner Schwiegermutter. Meine Kartoffeln die bei uns „Herdöpfel“ heissen sind schon gesetzt. Bin gespannt wann sie kommen! Warum müssen sich immer die Bauern für ihre Fortschrittlichkeit rechtfertigen, in der Privatindustrie ist das selbstverständlich und wird verlangt.
    L G Pia

    • nicht überall ist die alte Art besser. Ich denke Laufställe haben Vorteil für Mensch und Tier. Aber wenn ich diese überdimensionierten Stallbunker und Monokulturen ansehe – nein danke. Kleinteilige Landwirtschaft wie an vielen Orten in Österreich hat wirklich Vorteile. Es ist halt so, dass sich viele nur mehr auf einen Zweig spezialisieren.

  2. Das ist total interessant! Ich steh ja generell drauf zu erfahren, wo mein Essen herkommt und wie es entsteht. Die Erdäpfelsetzmaschine kannte ich noch nicht.
    Danke für die Weiterbildung!

    • danke für das Lob. Für mich ist sowas irgendwie normal, weil ich es von Kind auf kenne.
      Ich bin froh, dass ich von daheim und auch von meiner Schule (Schwerpunkt Land und Ernährungswirtschaft) vieles in dem Bereich gelernt habe. Das Thema interessiert mich total. und was mich fasziniert und worüber ich auch froh bin, dass sich die Leute wieder dafür zu interessieren beginnen. Ich hab nicht damit gerechnet, dass die Bücher zum Thema Imkern letztes Jahr bei uns in einem städtischen Buchgeschäft so gut gehen.

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