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Das Erinnerungsstück – eine Drei-Wortgeschichte.

Myriade hat bei der 3-Wortgeschichte mitgemacht und hat den Leuten freigestellt mitzumachen und ich wollte. Welche 3 Wörter ich einbaute, werdet ihr am Ende sehen. Die Idee stammt von Isabella, die diese Improgeschichteblogparade ins Leben rief. Echt eine tolle Idee. Ich mag meine Geschichte und es hat Spaß gemacht daran zu schreiben. Dabei hatte ich am Anfang keine Ahnung, was es für eine Geschichte wird. Ich hab mich einfach leiten lassen.

Das Erinnerungsstück
Es wird sie von nun an oft in eine melancholische und zugleich heitere Stimmung versetzen, wenn sie an ihren Biedermeierschreibtisch sitzt. Sie streicht sanft über die Tischplatte und fährt die Zierborte aus dunkler Birne nach. Wie ruhig es wirkt im Gegensatz zur lebhaft gemaserten Fläche aus Walnuss. Seit sie sieben war, besaß sie diesen Tisch, sie bekam ihn von ihrem Opa geschenkt zu Schulbeginn geschenkt, damit sie einen schönen Arbeitsplatz hat und Freude beim Lernen und später beim Arbeiten hat. So wie er Freude an der Arbeit in der Tischlerwerkstätte hatte. Sein Herz ging auf, wenn er alte Möbel restaurierte oder Spezialaufträge bekam, wenn er Möbel baute, die nichts vom klassischen Möbelhausmöbel gemein hatten. Ihr Opa hatte stets einen Blick für die Ästhetik. Nix verabscheute er mehr, als folgende drei Dinge: zweckoptimierte und austauschbare Möbelstücke, die schmucklose moderne Einrichtungsart und gewaltsam auf modern verunstaltete Möbel anderer Epochen. Diesen Tisch hatte er vor letzterem gerettet. Hier hat er auch geschwindelt, wie er ihr damals unter strengsten Verbot es weiterzuerzählen verriet. Der Kunde wollte diesen Tisch schwarz-weiß mit einer eingearbeiteten Glasplatte. „Dieses moderne Schickimicki entspricht nicht dem Biedermeier!“, entrüstete er sich noch Jahre danach. Ihr Opa war immer stur und er wollte den Schaden vom Tisch abwenden. So erzählte er dem Kunden, dass das Glas einarbeiten eine große Schwierigkeit wäre, da ein Schaden beim Tisch entstehen würde, so dass es die Farbe nicht verdecken vermag und den Wert des Tisches mindern würde. So hat er dem gutzahlenden Kunden vorgeschlagen, dass er einen Tisch nach Biedermeierart baut und ihn schwarz-weiß einfärben wird und die Glasplatte im Muranostil nach Wunsch einarbeiten wird. Es tat ihm zwar des Herzens weh, aber des Menschen Willen ist sein Himmelreich. Obwohl die Vorstellung so eines Möbelstückes sein Herz bluten lässt, siegte der Geschäftsmann in ihrem Großvater. Er hat dem Kunden, den überflüssigen Tisch abgenommen, nur im Austausch für das Material des modernen Duplikats. Wie passt es aber mit seinem Empfinden für Ästhetik zusammen? Doch Opa hat schon damals lakonisch festgestellt: „Der Kunde muss selber mit dieser Scheußlichkeit leben und Geld stinkt bekanntlich nicht. Merk dir das mein Kind.“ Er fügte damals auch hinzu, dass er gehört habe, der besagte Kunde habe seinen Gärtner angewiesen die Maulwurfshügel golden zu lackieren, damit jeder weiß wie reich er ist. Daraufhin ist sie fast jeden Tag nach der Schule am Haus des reichen Kunden vorbeigegangen um nachzusehen ob die Maulwurfshügel wirklich golden sind. Zu ihrer Enttäuschung waren sie nicht golden, sondern braun. So braun wie jetzt der Grabhügel ihres Opas. Und dieser Grabhügel soll nicht braun bleiben schwor sie sich, als sie an dem Schreibtisch aus der Biedermeierzeit saß. Sie wird ihn begrünen unter anderem mit Goldlack.

die vorgegebenen Drei Worte waren: Biedermeierschreibtisch, Maulwurfshügel und melancholisch.

Meine 3 Worte, die ich auf die Reise schicke sind: Durchschnittsbürger, Gaunersprache und Rettungsanker.
Ich würde mich freuen, wenn jemand Lust hat dazu etwas zu schreiben.

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Autor:

blog: weltbeobachterin.wordpress.com twitter: @weltbeob8erin

4 Kommentare zu „Das Erinnerungsstück – eine Drei-Wortgeschichte.

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