Veröffentlicht in Österreich, Philosophie und Theologisches, zitate

Wort zum Sonntag, bzw. einige Worte zum Wahlplakat

Es ist wieder soweit. Ich kann mich nicht mehr zurückhalten. Fast ein Jahr ist es her, wo ich mich das letzte mal explizit über bzw. gegen das Gebaren der FPÖ mich hier auf meinem Blog geäußert habe. Anlässe gibt es viele und je mehr man sich darüber aufregt, desto mehr fühlt sich die FPÖ als Opfer. Sagt man aber nichts, dann lässt man Gleichgültigkeit walten. Jetzt möchte ich und muss wieder mal etwas zur FPÖ und ihren Methoden sagen. Passenderweise am Sonntag.

Blau?
Herr Hofer hat neue Wahlplakate. Diesmal plagiiert er nicht einen früheren Präsidenten, sondern er beruft sich auf eine noch höhere Instanz, nein auf die höchste Instanz. Auf Gott.
Hier ein Zeitungsbericht über seine neuen Plakate. Ich habe nur auf den Beitrag im Kurier verlinkt, weil ich seine Plakate nicht unnötigerweise verbreiten will.
Das Plakat ist in drei Textblöcken unterteilt.

3 Textblöcke, die es in sich haben und die ich einzeln behandeln möchte.
Gemeinsam bilden sie einen hochexplosiven Napalmcocktail, der genug panische Wähler wieder an die Wahlurne treiben wird. Ich verabscheue die Methoden, die das Generalsekretariat der FPÖ anwendet, sehe aber wieder wie erschreckend wirkungsvoll es ist, Angst zu schüren, einer Gruppe Unrechtmäßigkeit anzudichten, sich und die Sympathisanten als Opfer dieser unrechtmäßigen Gruppe zu sehen und das einzige Mittel dagegen ist nur der Superheld in blau. Möge er Heinz-Christian Strache oder Norbert Hofer heißen.

„In eurem Sinn entscheiden“
„So wahr mir Gott helfe.“
„Norbert Hofer Bundespräsident“

„In eurem Sinn entscheiden“

Wen spricht Herr Hofer an? Ganz einfach, die Minderheit, zwar die knappe Minderheit – die ihn als Bundespräsident gewählt hat.
Diese Minderheit besteht aus FPÖ-Wählern, konservativen Menschen die wohl zuvor Herrn Lugner, Herrn Khol oder Frau Griss gewählt haben, andere die als Protest ein Statement gegen die Flüchtlinge setzen wollten oder generell gegen die Regierung.
Hier zeigt sich das erste Mal das Wir gegen das Establishment, den Linken, den Flüchtlingen und der Gutmenschen. Ein Wir, das sich unterdrückt fühlt, weil die Mainstreammedien sie angeblich übersehen. Viele konsumieren nach wie vor die Krone, die Gratisblätter „Österreich“ und „Heute“ und immer mehr lesen Onlinejournale wie „unzensuriert“ (vom ehemaligen FPÖ-Nationalratspräsidenten Graf gegründet) oder die Website von Andreas Unterberger (ehemaliger Chefredakteur der Wiener Zeitung und stolzer Konservativer), oder FPÖ-Medien wie die Facebookseite von Herrn Strache.
Die FPÖ hat schon ein ziemliches Risiko auf sich genommen, durch die Wahlanfechtung. Meiner Beobachtung zufolge sind Leute, die Pro-Hofer eingestellt sind eher dazugeneigt an einer Wahl nicht wahrzunehmen. Immerhin von einigen mir bekannten Hofer-Sympathisanten habe ich direkt nach der erfolgreichen Anfechtung gehört, sie gehen diesmal sicher nicht bzw. diesmal wieder nicht wählen, weil ihnen die ganze Wählerei am Arsch, am Sack äh auf die Nerven geht. Um dies zu verhindern versucht die FPÖ die Wähler von Herrn Van der Bellen zu dämonisieren, mit dem Wir gegen sie. Sie, die unrechtmäßig über uns bestimmen wollen, weil sie ja so intellektuell sind und auf uns herabsehen. Sie sehen auf uns herab und zu den Flüchtlingen sind sie ja viel netter wie zu uns. Bei den Flüchtlingen wird so viel toleriert, bei uns nicht. Zu dem Thema möchte ich auf den ausgezeichneten Artikel von Elfriede Hammerl im Profil hinweisen.

„So wahr mir Gott helfe.“

Meine erste Reaktion, als ich das Plakat sah, war dass ich dachte es sei nur ein albernes Meme. War es leider nicht, mein 2. Gedanke war das 2. der 10 Gebote.

Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht.

Die Bibel – aus dem Buch Exodus: Kapitel 20 Vers 7 (Einheitsübersetzung)

Nicht nur für mich missbraucht hier die FPÖ den Namen Gottes, sondern auch für den evangelischen Superintendenten Olivier Dantine.
Mich stößt diese Formulierung auf dem Plakat ab. Es lässt sich wohl nur erklären, dass ich mich als Christin sehe und die Werte, die ich von daheim mitbekommen habe, durchaus einen humanistisch, christlichen, sozialen Denkens entstammen. Danke meine Eltern, die das nicht nur durch Worte taten, sondern auch in Taten.
Für mich stimmt die Lehre des Christentums nicht mit den Taten und Worten der FPÖ überein.
Im Christentum spricht man von der Nächstenliebe, bei der FPÖ will man nur Menschen unter gewissen Gesichtspunkten helfen siehe Mindestsicherung und interpretiert Nächstenliebe auch für sich um. EDIT: wie in einem früheren Wahlslogan – Liebe deinen Nächsten. Für mich [Strache] sind das unsere Österreicher
Diese Plakate finde ich einen ziemlichen Schlag ins Gesicht vieler Menschen, vor allem für alle gläubigen Menschen, die Herrn Hofer dezidiert nicht wählen wollen.
Was bewirkt diese Formulierung aber auf andere Menschen? Wer soll damit angesprochen werden?
Die Berufung auf Gott und Christentum ist noch relativ jung. Unter Haider gab es zwar den mittlerweile ausgeschlossene Ewald Stadler als aktiver Christ innerhalb der FPÖ. Doch irgendwann hat Herr Strache den Nikolaus und das Kreuz entdeckt und seitdem proklamiert die FPÖ lauter, dass durch sie das Abendland in Christenhand bleibt.
Zum Thema FPÖ und Christentum habe ich die spannende und aufschlussreiche Diplomarbeit von David Meijer gefunden. Sie ist online verfügbar und enthält auch ein Email des Verfassers des Parteiprogrammes 2011 – Norbert Hofer.
Der Tradition gemäß ist die FPÖ antiklerikal, deswegen erscheint die Betonung aufs Christliche eher als ein Griff ins Klo. Aber es ist wohl kalkuliert und die Saat geht glaube ich auch auf.
Aber erstens erreicht man mit der Rückbesinnung auf das „christliche“ Abendland all diejenigen, die gegen den Islam sind und eben dieses Abendland bewahren wollen. Und da kommt noch die Angst vor Veränderung durch das Leben mit Muslime hinzu. Da geht es schlichtwegs nicht um Gott, sondern um die Abwehr von Zuwanderern. Ein altes Thema in der FPÖ.
Ich vermute mal, es wird ziemlich unterschieden – der christliche Gott stört uns ja nicht – er lässt uns in Ruhe, Allah hingegen, in dessen Namen passieren dauernd Terroranschläge. So wird auch ein Selbstmordversuch eines Flüchtlings auf der FB-Seite des Herrn Strache als Terror gesehen. Ich habe zumindest mehr Angst bekommen über die Reaktion der Leute auf dieser FB-Seite und der Nichtreaktion der Administratoren dieser Seite, wie vor diesem Flüchtling.

Und dann gibt es Zweitens wirklich auch noch die Gruppe der bisherigen konservativen jahrelangen ÖVP-Wähler, die schlichtwegs keinen „Ungläubigen“ als Präsident haben wollen. die gegen den Atheisten und Haschtrafikanten Van der Bellen sind und da lieber die FPÖ wählen. Wahrscheinlich wohl zum zweiten Mal und vielleicht auch bei den nächsten Wahlgänge, wenn die ÖVP so diffus bleibt.
Im Jahr 2016 habe ich gehört, dass das 2003 von der ÖVP gestreute Gerücht, dass die Grünen Haschtrafiken bauen wollen, noch immer als Argument gegen den Grünkandidaten dient. Eine weitere für mich sehr seltsame Aussage war, als ein eingefleischter ÖVP-Wähler meinte, dass man jetzt wegen den Flüchtlingen, den Hofer wählen muss, nach dem Khol unterging – den Van der Bellen ist als Linker unwählbar.
Viele dieser Wähler sieht das traditionelle Leben und vor allem das traditionelle Familienbild bedroht) Die FPÖ hält dies noch hoch und wer weiß, wie lange die ÖVP sich noch hält bevor sie zerbröselt wie die Democratia Cristiana in Italien. Das war übrigens vor 13 Jahren. Da wäre es für die FPÖ gut und praktisch, sich da schon eine neue Wählerschicht zu erschließen. Die ÖVP war zwar 2002 zwar sehr stark, aber das waren Leihstimmen der FPÖ und viele ÖVP-Wähler haben sich in Richtung Neos verabschiedet, nachdem die alte Tante ÖVP ziemlich angestaubt bleiben will.
Wenn er schon das Thema Gott anschneidet, frage ich mich wie Herr Hofer damit umgeht.
Im Email an David Meijer (der die obengenannte Diplomarbeit schrieb) gibt er an, dass das Parteiprogramm der FPÖ säkulärer sei wie bisher, allerdings habe man darauf hingewiesen, dass die Kultur des Abendlandes sich auf die christlichen Werte entwickelt hat und sie auch Teil der Weltanschauung der FPÖ sei.
Herr Hofer gibt an, er bete täglich und habe Bibelsprüche auf seinen Tisch liegen. Interessant in seinem Lebenslauf ist, dass er aus der katholischen Kirche ausgetreten ist und er jetzt evangelisch ist. Weswegen er gewechselt hat, gibt es 2 unterschiedliche und widersprüchliche Aussagen.
Die jüngere Aussage war, dass er es besser findet, dass Frauen Pfarrerinnen werden dürfen oder dass Pfarrer heiraten dürfen. Etwas älter (aus dem Jahr 2009) ist eine OTS-Aussendung in der er gegen linkskatholische Hexenjäger schimpft.
ich zitiere:

Ich schätze viele Vertreter der katholischen Kirche, ich kann aber mit weiten Teilen der Amtskirche, mit Scheinmoral und den immer stärker werdenden linkskatholischen Strömungen nichts anfangen. Ich habe schon vor Monaten die Konsequenzen gezogen und bin aus der katholischen Amtskirche ausgetreten.“

weiters

Ich bin froh, dass ich mit meinem Kirchenbeitrag diese Leute nicht länger unterstützen muss. Ich bleibe den Lehren Jesu, dem Frieden, der Freiheit und der Nächstenliebe verbunden. Ich bleibe Christ. Die katholische Amtskirche hat mich aufgrund der scheinmoralischen Aktivitäten ihrer linken Neo-Inquisitoren, falscher Frömmler und wahrer Heuchler endgültig verloren.“

Wie sieht die Empfehlung der Kirche bei Wahlen aus? Ja, natürlich ist es klar, dass heutzutage der Pfarrer nicht mehr von der Kanzel runterpredigt, wer zu wählen ist.
Aber in der oben angesprochene Diplomarbeit hat der Autor den Altabt von Heiligenkreuz Dkfm. Mag. Gregor Henckel-Donnersmarck OCIst im Email-Interview folgende Antwort zu dem heiklen Thema Wahlempfehlung aus christlicher Sicht.

Frage: Welche Themenbereiche sind aus christlicher Perspektive die wichtigsten Punkte, die bei einer Wahlentscheidung zu berücksichtigen sind?
Antwort: Die Respektierung der freien Religionsausübung des Einzelnen, die Gewährung freier Religionsausübung für die anerkannten Religionsgemeinschaften und der Schutz der Gläubigen und der Religionen vor religionsfeindlichen Angriffen. Der Schutz des Lebens
von seinem Beginn bis zu Ende. Die Gewährleistung des sozialen Friedens nach innen durch eine Politik, die der Soziallehre der Kirche entspr
icht; dazu gehören die Rechte von Minderheiten und die ausgewogene Integration von Migranten

zur Frage, ob die FPÖ eine rechtsorientierte christliche Linie hat oder ob ihre Handlung gegen die christliche Werte ist, hat der Altabt folgende Worte:

Fremdenfeindliche Gedanken oder Handlungen sind in keiner Weisung eine „christliche Linie“, sondern bedeuten einen Verrat christlicher Werte.

FPÖ -Anhänger machen sich über das Thema Nächstenliebe auch lustig gemacht, wie hier Gerald Kitzmüller dankenswerterweise mit dem Tweet dokumentiert.

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Einen schönen Text zum Thema hat Barbara Kaufmann in einem Gastkommentar im Standard verfasst.
Ich denke, das alles sagt deutlich genug zum Glaubensthema bei der Wahl aus.

„Norbert Hofer Bundespräsident“

Die FPÖ spinnt hier schlichtwegs einfach das Märchen der Wahlfälschung weiter. Für die Herren Hofer, Strache und Kickl, der FPÖ, ihre Wähler und deren Sympathisanten ist Herr Van der Bellen nur ein unrechtmäßiger Usurpator und Prätendent, der Ihnen den Eisernen Thron äh ich meine die Hofburg weggenommen hat.
Norbert Hofer ist also der Ansicht, er ist Bundespräsident, weil er knapp die Wahl verloren hat, dank der bösen Briefwähler (wie ich) und der Verschwörung der linkslinkenkommunistischen Katholikenwahlbeisitzer.
Irgendwie stimmt es auch, dass er Präsident ist, sogar Bundespräsident, wenn auch nur zu 33,3% Gemeinsam mit Doris Bures und Karlheinz Kopf ist er im Nationalratspräsidium – das Gremium, dass den Bundespräsidenten vertritt. So vertritt er als 3. Nationalratspräsident, den nicht vorhandenden Bundespräsident zu einem Drittel. Das macht ihn aber noch lange nicht zu einem ganzen Bundespräsidenten. Oliver Scheiber merkt auf Twitter an, dass die Schreibweise „Norbert Hofer Bundespräsident“ durchaus juristisch grenzwertig ist.
Tywin Lannisters Weisheit über Könige
Ich nehme mal an, was für Könige gilt, gilt auch für Präsidenten.

Über dieses Thema wie die FPÖ Emotionen herstellt und nützt, kann man ganze Bücher schreiben wie z.B. „Haider light“ von Walter Ötsch, der für 2017 eine erweiterte Ausgabe zur FPÖ unter Strache plant.

Ich entscheide mich nach meinem Sinn, so wahr mir Gott helfe. Und meine Entscheidung für den Bundespräsidenten ist und bleibt der Bundespräsidentschaftskandidat, der im Mai gewählt wurde. Prof. Alexander Van der Bellen.

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Autor:

blog: weltbeobachterin.wordpress.com twitter: @weltbeob8erin

2 Kommentare zu „Wort zum Sonntag, bzw. einige Worte zum Wahlplakat

  1. Hofer/Strache/Kickl & Konsorten sind nicht die einzigen politischen Extremisten, die unter der Parole »So wahr mir Gott helfe!« aufmarschieren: woanders heißt die »Inschallah!« und bedeutet ganau dasselbe.

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