Veröffentlicht in Österreich, Leselust, Literatur, Rezension, Wien erleben / Wiener leben

typisch wienerisch

Christine Nöstlinger wurde vor einigen Tagen 80. Ich gratuliere herzlich und wünsche ihr noch viele lange und gesunde Jahre.
Danke für all die wunderbaren Bücher: Von der „Feuerroten Friederike“ bis zu „Üba de gaunz oamen Leit“.

Ich kann einfach nicht sagen, welches Buch ich am meisten mochte oder welche ihrer Figuren. Generell ist das eine Frage die ich nicht so mag, was ist dein Lieblings-XYZ. Was für mich so besonders war, war dass die Figuren authentisch waren. Sie sind nicht perfekt, sie sind oft goschert, neidisch und manchmal auch ziemlich verlogen oder was es sonst noch für Charakterfehler gibt. Aber genau das mochte ich an die Figuren, sie waren nicht perfekt und die meisten eben richtige „Weanakinder“ mit doch einem goldenen Herz.
Ich liebe z.B. dass es in „Echt Susi“ eine Figur namens Nussbeugerl gibt. Vielleicht würde sie in Deutschland Quarktasche heißen, weil sie eine richtige Quasselstrippe oder auf gut wienerisch eine richtige Plaudertasche mit gutem Herz, die ihrer Freundin Susi beisteht.
Was mir so taugt an ihre Bücher ist, dass sie auf Augenhöhe redet und nicht mit moralisch erhobenen Zeigefinger. Es kommen durchaus auch Schimpfwörter wie „Saubartel“ vor und die Probleme sind authentisch es geht oft auch um das Thema Freundschaft (Der Denker greift ein, Echt Susi) oder um das Umgehen mit der Trennung der Eltern (Gretchen-Bücher)
Wie sie ihre Kinderbücher schreibt hat sie mal so beschrieben:

„Ich habe gewisse Vermutungen darüber, was Kinder lesen wollen, und gewisse Vermutungen, was Kinder lesen sollten. Und dann habe ich noch das dringende Bedürfnis, mir gewisse Dinge von der Seele zu schreiben. Und die feste Überzeugung, dass Kinder beim Lesen gern lachen, die habe ich auch. Aus diesen vier Komponenten mische ich üblicherweise meine Bücher zusammen …“

Aber Kinderliteratur (die ich heute noch gern lese!) ist nicht alles was sie bietet, auch etwas für Erwachsene wie z.b: „Üba de gaunz oamen Leit“.
Von ihren Erwachsenensachen habe ich leider noch wenig gelesen, aber hier ist ein Ausschnitt, wo Christine Nöstlinger einiges vorliest.
Mit Wiener Schmäh, aber auch zum Nachdenken.

Sie nimmt sich kein Blatt vor dem Mund und auch politisch hält sie sich nicht hinterm Berg. Interviews mit ihr sind für mich Lesevergnügen. Ich finde sie hat viel Gescheites zum Sagen. z.B. zu dem Halbwissen, was zu Fremdenfeindlichkeit führt. Und die Menschen sich in einer Blase finden, wo sie nur mehr mit der eigenen Meinung konfrontiert werden.

Vor allem stehe ich ratlos vor etwas, was ich noch nicht richtig kapiere, dass nämlich ein Großteil der Menschen in diesem Land sich Informationen aus den sozialen Medien holt, die schon an Verschwörungstheorien grenzen. Das ist nicht wie vor zehn Jahren, als man gesagt hat: Die Leser der Kronen Zeitung sind das Problem. Einen Tag, nachdem Strache auf Facebook geschrieben hat, dass das mit dem Pick auf den Kuverts eine Intrige des Systems ist, höre ich das auf dem Hannovermarkt. Wie diese Menschen, die anscheinend fast ein Drittel unserer Bevölkerung sind, aus der Fehlinformation je wieder rauskommen sollen, ist mir unerklärlich – vor allem weil man in diesen Netzwerken ja nur mehr die Information bekommt, die zu einem passt. – derstandard.at/2000045182767/Christine-Noestlinger-Ich-wollte-allerhand-nicht-sein

(Standard-Interview)

Allem in allem ich finde ihre Bücher und auch Interviews mit ihr sehr erfrischend, etwas rauh und nicht glatt gestriegelt – aber genau das ist authentisch.

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Autor:

blog: weltbeobachterin.wordpress.com twitter: @weltbeob8erin

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