Veröffentlicht in Ernährung, Lebensstil, Nachdenkergebnis, Wirtschaft

Zur Verteidigung von Hofer bzw. Aldi

Die Aldiwerbung regt auf. Äh, und ja, das Ziel wurde erreicht, die Botschaft ist angekommen.
Die Botschaft für die Zielgruppe ist einfach: Ohne großes Überlegen gibt es bei uns qualitative Basis-Lebensmittel zu einem sehr guten Preis.
Ich kann jetzt nicht über Aldi Nord und Aldi Süd sprechen, sondern nur über Hofer, die Tochter von Aldi Süd. Deswegen bezieht sich alles, was ich zu sagen haben eben auf die Hofer KG. Ich bekenne mich, ich gehe dort wirklich gern einkaufen – weil für mich bei den meisten Produkten das Preis-Leistungsverhältnis passt. Das Gemüse finde ich beispielsweise frischer wie bei den Mitbewerbern. Die Basis kaufe ich meist dort ein und wenn ich etwas Besonderes will, dann geh ich in eben woanders hin.
Doch was sind die Werbeslogans, die aufregen?

„Einfach, weil hier Bio-Produkte kein Luxus, sondern Standard sind“

Ein Zustand, der wünschenswert ist – aber den es noch immer nicht gibt. Beim Hofer selber gibt es viele Biosachen, aber nicht alles. Es gibt bei vielen Lebensmitteln zusätzlich noch eine Biovariante. Bei den Zitronen, bin ich dafür sehr dankbar, dass manchmal die konventionellen gespritzt sind – und ich lieber die ungespritzten Zitronen habe.

„Einfach, weil es keine rechtsdrehende Pasta aus dem Himalaya gibt, sondern einfach Spaghetti“

Ich finde hier hat Aldi/Hofer KG recht. Man muss „Zurück zum Ursprung“ gehen und die simplen Produkte ohne Funktionen nehmen. Functional Food ist mir ein Gräuel. Schon dieser Name verdirbt mir den Genuss. Ein Joghurt ist für mich ein Milchprodukt und nicht ein Allheilmittel gegen Erkältung und erhöhten Drang zum Furzen. Ich will genießen und nicht immer dran denken, dass ich was vermeiden muss. Manche diese Joghurts sind flüssig, aber mit Sicherheit sind für mich alle ziemlich überflüssig. Aber es gibt Leute, die eben dieses gesunde Joghurt in diese Fuzzibecherl mit Alufolie und viel Zucker, ihr Geld hinblättern. Nun da freut sich die Geschäftsführung einer französischen Molkerei, pardon ein französischer Großkonzern. Die Produkte dieser Firma befinden sich allerdings als Markenprodukte bei Hofer im Sortiment. Aber rund 90% der Produkte sind laut Hofer-Website noch immer Eigenmarken. Offenbar eine Reaktion auf die „cleveren“ „S-Budget“ Kalkulationen der Mitbewerber Rewe und Spar.

„Einfach, weil man keine 10 Zitronen-Sorten braucht, sondern einfach nur Zitronen“

Autsch, das tut mir persönlich wirklich weh, denn hier liegt wirklich der Denkfehler vor. Zitronen unterscheiden sich vom Geschmack genauso wie Äpfel. Ich vermute mal, hier wollten die Marketingmenschen eher betonen, dass es hier um Basislebensmittel geht und nicht um spezielle Lebensmittel. Aber das kommt bei vielen bewussten Konsumenten falsch an. So wie es auf den Plakat steht, geht es wohl eher um das zu viel einer Sorte eines Lebensmittels. Beispielsweise bekommt man im normalen Supermarkt gewisse Käsesorten (Emmentaler, Gouda, Butterkäse – in zig verschiedenen Varianten.) Und es ist gerade für mich das Angenehme, wenn ich beim Hofer beispielsweise nur zwischen 5 Sorten Gouda wählen brauche und nicht zwischen 21 verschiedene Sorten wie beispielsweise bei einem der großen Mitbewerber. Wobei ich schon mit ein bis zwei Sorten zufrieden wäre. Ich habe das gestern nachgezählt. (Irrtum nicht ausgeschlossen).
Das Beispiel Zitrone ist nur unglücklich gewählt. Viele assoziieren mit Zitrone einfach nur sauer. Wenn man sich mit dieser Frucht genauer beschäftigt widerstrebt es einem. Siehe Zitrusexpertin und – liebhaberin Katha Seiser. Ich liebe auch die Meyer-Zitrone oder mag Buddhas Hand. – Auch wenn ich es mir nicht immer leisten will. Aber diese beiden Zitrussorten sind einfach zu speziell für einen Diskonter, der eben die Mainstreambasis für den Ottonormalverbraucher anbietet.
Selbst bei einem simplen Alltagsprodukt wie Nudeln bekommt man nicht alle Varianten. Das ist gut so. Man braucht sie vor allem auch nicht alle sofort, wie ich selber erkannt habe – zumindest nicht alle auf einmal. Wenn ich was Spezielles will, wie die Telefonkabelnudeln, dann kaufe ich sie mir doch woanders oder warte die Wochenaktionen beim Hofer ab, ob sie es nicht doch dort gibt.
Gerade durch diese Wochenangebote bietet Hofer Spezielles an und es wird auch vieles immer wieder im Sortiment neu aufgenommen – Hummus zum Beispiel.
Bei Obst und Gemüse ist Hofer tatsächlich sehr saisonal und da gibt es durchaus mehrere Varianten einer Sorte. Beispielsweise habe ich heute einen Biokarottenmix gekauft mit unterschiedlichen Karottensorten. Insofern ist der Hofer tatsächlich „Bio-aktiv“ und geht „Zurück zum Ursprung“, da dies schon ein Weg zur Biodiversität und Geschmackserweiterung ist.
Hofer Karotten
So mancher meint, die Qualität beim Bauern ist besser und günstiger. Ja, stimmt. Als Bauerntochter kann ich nur zustimmen. Aber es gibt nicht alles beim Bauern und wie praktikabel ist das für die meisten wirklich?

Mein Fazit: Es ist ein Sturm im Wasserglas. Ein Diskonter hat nicht den Anspruch eines Delikatessenladens, aber Hofer hat auch Delikatessen im Angebot und die Reduktion des Angebots ist nicht automatisch eine Reduktion der Qualität. Der Shitstorm ist unangebracht, genauso wie das Zitronenplakat die Botschaft falsch rüberbringt.

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Autor:

blog: weltbeobachterin.wordpress.com twitter: @weltbeob8erin

2 Kommentare zu „Zur Verteidigung von Hofer bzw. Aldi

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