Veröffentlicht in Österreich, Ernährung, Häferlgucker, Kochbuch, Wien erleben / Wiener leben

wenn es strudelt

Über ein Jahr ist es schon her, dass wir in Rahmen des #Jourdoux Apfelstrudel verkosteten.
hier der Kostbericht von der Ente.
Bis jetzt hab ich kein Wort darüber verloren, was wahrscheinlich vor allem daran lag, dass es kein Jourdoux mehr gab. Es verlief eigentlich sehr enttäuschend, obwohl die Plätze 1 – 3 ganz akzeptabel waren. (Konditorei Fercher, Demel, Meierei im Steirereck) Die waren wirklich schmackhaft. Andere schmeckten einfach nur künstlich oder nach Waschmittel (wahrscheinlich parfümiertes Waschmittel für das Strudeltuch verwendet und dann nicht nochmal geschwemmt) oder auch nach eine Mischung aus Gauloises, Marlboro und Memphis. Ich esse gerne Geselchtes, nur dieser Tschickapfelstrudel war für mich wirklich die absolute Beleidigung des Gaumens. Pikanterweise war es grad der Strudel, der von einer ziemlich prominenten Literatin als bester Apfelstrudel von ganz Wien genannt wurde und damit auch viel Werbung gemacht wird. Meine Botschaft: Traut euren Gaumen und lasst euch in kulinarischen Dingen nichts einreden weder von Werbefritzen und Werbefritzinnen noch von prominenten Menschen. Bilder von diesem vernichtenden Ereignis habe ich leider kein einziges.
Ich ging sowieso mit Skepsis zu dieser Verkostung – da ich schon einige Male beim Jourdoux dabei war und auch mit außerheimischen Apfelstrudel viele schlechte Erfahrungen machte. Nun die Strudelkostproben hatten es schwer, denn sie mussten mit einem hausgemachten Apfelstrudel von mir oder aus meinem Elternhaus im Wettbewerb treten. Und da hat es beim Jour Doux so manchen Strudel eben gestrudelt.
Als Kind liebte ich es, wenn Strudel gemacht wird. Und schon damals hab ich schon geholfen beim Äpfelschälen und herspeideln.
Lederapfel

In der Wienbibliothek findet man ein Kochbuch aus dem 17. Jhd. mit einem Apfelstrudelrezept. die Library Mistress hat dazu eine ziemlich amüsante wikipedia-Diskussion zum Thema Strudel in ihrem Blog festgehalten.

Wie mache ich Strudel?
Teig: 40 dag (= 400g) Mehl, 1 TL Salz, (1 kleines Ei), 3 EL Öl, zwischen 300 ml und ¼ l lauwarmes Wasser (bei Eizugabe) weniger.
Fülle: Äpfel (ich wiege nie aber laut #öveg braucht man 1,5 kg Äpfel für diese Menge), 1/4 l Sauerrahm, genügend geschmolzene Butter, Zucker, Zimt
Zum Aufgießen: zwischen 250 und 300 ml Milch, Zucker

Die Menge reicht für ca 8 Personen, das ist meine Standardmenge von daheim, denn der Strudel schmeckt auch kalt sehr köstlich.

Den Teig zunächst in der Küchenmaschine kneten lassen. Er soll nicht zu weich sein, weil das dann beim Ziehen und zusammenrollen Probleme gibt. Danach knete ich ihn noch mit der Hand und klopfe ihn ordentlich mit dem Nudelwalker (=Nudelholz) durch, damit die Luftbläschen rausgehen. (guter Aggressionsabbau! ; Am besten ist da meiner Erfahrung nach der aus Stein – wie meine schwedische Gastmutter einen hatte – der war schön schwer – ich habe diesen gern benutzt) Den Teig teilt man in 3 Teile, die man dann jeweils zu einer Kugel „schleift“. Achtung aufpassen, dass keine Naht entsteht!!! Die Kugeln mit etwas Mehl bestäuben und jede extra unter einer Schüssel rasten lassen (ca 2 – 3 Stunden).
In der Zwischenzeit: Die Fülle der Wahl zubereiten – in unserem Fall: Äpfel (wenn es geht feinsäuerliche bis säuerliche wie Gravensteiner oder Boskop Äpfel) schälen, herspeideln (=herschnippseln in dünne Scheiben), Sauerrahm, Zucker, Zimt griffbereit in der Nähe des „Auszieh“Tisches stellen und vor allem genügend Butter schmelzen. Tisch mit Strudeltuch bedecken und das Strudeltuch mit etwas Mehl bestäuben.

Meine Methode des Strudelteigausziehens weicht ein bissl ab, von dem was in den Kochbüchern steht. Ich habe beim Strudel viel durch die Praxis gelernt. Nicht nur von daheim, sondern auch in anderen Bauernhäusern, wo ich Praktikum machte.
Der Teig wird ausgerollt bis zu einer halben cm Dicke.
Die Hände werden bemehlt. Vor allem der Handrücken. Man greift mit den bemehlten Händen unter dem Teig und beginnt dann nach außen. zu ziehen. (Ja, ich mich so leichter – da ich aufrecht stehe) Während dieser Prozedur soll man von der Anrichte, wo der Teig auf seine Bestimmung wartet zum Tisch mit dem Strudeltuch hingehen. (am besten vorher Katzen, Kleinkinder und was sonst noch an Stolperfallen gibt entfernen – selbst bei Protest) Wenn der Teig in der Mitte dünn ist, ihn vorsichtig und ohne Falten zu werfen ihn am Tisch ablegen und von dort aus, den Strudel weiter ausziehen, bis man eine Zeitung durchlesen kann oder das Muster des Strudeltuches sieht. Es dürfen schon Löcher entstehen – nur nicht riesige, selbst wenn man dann die Zeitung besonders gut durchlesen kann. Der Rand wird abgeschnitten und wenn man will nochmals zusammengeknetet und nochmals zum Rasten unter der Schüssel gelegt.
Strudel belegt
Ein Drittel des Strudelteiges wird mit Butter bestrichen. Die anderen 2 Drittel werden mehr oder weniger großzügig mit Sauerrahm bestrichen und mit Äpfel bestreut. Zucker und Zimt wird auf die komplette Strudelfläche verteilt. Die Ränder bis auf die bebutterte Seite einschlagen. Danach wird der Strudel mit Hilfe des Strudeltuchs eingerollt. Man beginnt mit dem Ende, das mit Äpfel und Sauerrahm belegt ist. Die bebutterte Teigseite umhüllt die Äpfel. Danach schaut man, dass man den Strudel ohne zerreißen in einer tiefen Rein reinbugsiert.
Genauso verfährt man noch mit den beiden anderen Strudelteigkugeln.
Den Strudel bei ca. 180°C backen – etwa eine halbe Stunde. In der Zwischenzeit das Schlachtfeld Küche in Ordnung bringen und die Milch mit Zucker zum Kochen bringen. Wenn der Strudel fast fertig ist, die kochend heiße Milch über ihn gießen und nochmals für 5 Minuten ins Rohr.

Strudel
Strudel

wenn man will kann man den Strudel mit Butter bestreichen.

Was passiert mit dem Teig, der als Rand abgeschnitten wurde? Bei mir daheim, wird der Randteig, wird nochmals geknetet und zu kleine Fladen ausgewalkt und gezogen. Danach wird er auf der Herdplatte des Holzofens gebacken. Wegen diese Zelten liebte ich Strudel noch mehr. Mir wäre es manchmal lieber gewesen nur diese Zelten und dafür keinen Strudel. Die würden wirklich zu einem anständigen Chili con Carne passen.
Andere machen daraus eine Suppeneinlage und manche werfen die Teigabschnitte einfach weg

aber so ein Strudel ist wenn richtig gemacht ein Hochgenuß!
Strudel essfertig

selbst wenn es beim Rezeptschreiben strudelt… danke an Ulrike für den Hinweis, ich hab mal abgeändert und hoffe, dass der Text jetzt auch für Nichtoberösterreicher lesbar ist.

Advertisements

Autor:

blog: weltbeobachterin.wordpress.com twitter: @weltbeob8erin

10 Kommentare zu „wenn es strudelt

    1. ohjegerl, dann überarbeite ich das nochmals – danke für den Hinweis und das Feedback.
      es ist irrsinnig schwer, das zu beschreiben – Katha hat es mir bestätigt.
      die 3 Teile werden jeweils extra zu einer Kugel gemacht. und die dann jeweils zu einen eigenen Strudel. (Das ist meine Standardmenge von daheim, es wird ja nicht alles aufgegessen – sondern eingefroren oder kalt gegessen)

  1. Was macht die milch aus dem apfelstrudel? ich backe niemals mit milch, deswegen frage ich. schönes apfelfoto und perfekt ausgezogener strudelteig! bravo! prosit 2014, liebe weltbeobachterin!

    1. danke für das Lob!
      die Milch vollendet den Genuß – das schmeckt dann so richtig schön karamellig, ja ich hab deswegen ja auch so rumgeraunzt. auch dir ein gutes neues Jahr liebes Anterl und dass 2014 viel Glück bringt

  2. Milch und Sauerrahm im Apfelstrudel lese und höre ich hier das erste Mal, interessant.
    Ich kenn es auch die Teigreste als Suppeneinlage zu verwenden. Aber seit ein paar Tagen habe ich noch eine andere Variante gelesen in einem Strudelbuch das ich rezensieren werde
    lg Sina

    1. ich kenne es nicht anders. Meine Mutter sagt, dass meine beiden Omas es ebenso gemacht haben. Mir schmeckt es so auch viel besser, ich finde die meisten viel zu trocken.
      auf die Rezension und auf die Idee aus dem Strudelbuch bin ich gespannt.

        1. Ich wohne jetzt in Wien, ursprünglich komme ich aber aus dem Mühlviertel.
          ja, der Beitrag ist älter – ich blogge auch schon 10 Jahre. Allerdings habe ich vieles gelöscht, was von meiner vor WP-Zeit war.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s