Veröffentlicht in Österreich, Medien

Ö1 – ein Liebesbekenntnis

Schon als Kind wurde ich mit dem Sender konfrontiert. Abwechslungsweise mit Ö2 (wegen den Regionalnachrichten und dem Wetter). Ich mochte die Ö1-Menschen schon damals lieber. Die waren wenigstens nicht so gezwungen fröhlich, wie im Regionalradio. Schon als Kind habe ich das Gewisse etwas erkannt. Beim Journalist spielen – ich habe ein oder 2 Kassetten immer wieder mit selbsterfundenen Nachrichten, Musiksendungen, Hörspiele und Feuilletons vollgesprochen – Störungen wie: „Weltbeobachterin, geh Hühner auslassen“ inclusive. Angehört habe ich sie mir nie, weil mich meine Stimme schreckte. Meine Eltern haben allerdings sehr wohl echte Ö1-Aufnahmen gemacht und später dann angehört – weil das interessante ist ja immer dann, wenns grad nicht passt. Da hab ich jetzt einen enscheidenden Vorteil mit der Ö1-Radiothek, da man eine Woche lang noch nachhören kann. Vor allem hör ich mir gern viele der Textsendungen nach, weil viele einfach meiner Meinung nach handwerklich gut gemacht sind. Neue Aspekte, Themen aus ungewohnter Sicht oder mit Zusatzinformationen ausgestattet, O-Töne und man spürt, welche Mühe und Aufwand gemacht wird, dass die Botschaft rüberkommt. Nur dieses Engagement wird nicht ordentlich honoriert. Dafür bekommen Dominic Heinzl und Sido für ihren Boulevardprivatkrieg Geld, Geld, Geld. Heinzls Show wird wegen schlechter Quoten eingestellt – vorher pulverte man jede Menge Geld rein. Denen gönne ich weder schöne Schuhe, Sachertorten oder Seenlandschaften bei Sonnenuntergang. Gerne aber den freien Journalisten, wie auch Barbara Kaufmann. Die zu diesen Thema als Betroffene einen empfehlenswerten Blogeintrag schrieb. Wer es noch nicht gelesen hat, der sollte den Eintrag unbedingt lesen. Wenn es nach dem Ansatz wie im ORF ginge dürften die Presseförderung nur mehr an Krone, Heute und Österreich ausgeschüttet werden und die Qualitätmedien sollen schauen, wie sie sich selbst erhalten.

Für mich steht fest, ö1 gehört gehört und die Journalisten, die für Ö1 arbeiten.

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Autor:

blog: weltbeobachterin.wordpress.com twitter: @weltbeob8erin

6 Kommentare zu „Ö1 – ein Liebesbekenntnis

  1. Ein wunderbarer Kommentar, den ich über Twitter gefunden habe (dank Barbara Kaufmann).

    Als ich 2004 nach Österreich kam, suchte ich vorrangig nach einem Radiosender ohne Werbung und fand schnell Ö1. Mit der Zeit schätzte ich die seriösen Nachrichtensendungen, die nur bei wenigen Sendern (welchen noch??) auch mal eine Stunde dauern dürfen, ohne sich währenddessen zu wiederholen. Angefangen vom Radiokolleg und dem Kulturcafé über die freitäglichen Büchervorstellungen bis hin zu zu den Spielräumen ist da einfach viel Interessantes dabei, von der Jazznacht am Wochenende ganz zu schweigen.

    Mittlerweile höre ich berufsbeding zwar seltener Radio, aber vorzugsweise immer noch Ö1, und umso schader würde ich es finden, wenn die hohe Qualität bei diesem Sender an der Finanzierung scheitern täte. Und umso unverständlicher ist die Prioritätensetzung:

    „Nur dieses Engagement wird nicht ordentlich honoriert. Dafür bekommen Dominic Heinzl und Sido für ihren Boulevardprivatkrieg Geld, Geld, Geld. Heinzls Show wird wegen schlechter Quoten eingestellt – vorher pulverte man jede Menge Geld rein. „

  2. Was mir an Ö1 so gefällt, dass trotz Kurzmitteilungen, Kurznachrichten, etc noch immer Sendungen gemacht werden, die eine Stunde dauern. Da herrscht keine Eile, da gibt es kein Huschpfusch, da wurde gründlich recherchiert, da ist es jedes Mal eine Freude zuzuhören. Auch sind die Sprecher sehr gut ausgebildet, sprechen klar, da ist ein T ein T und kein D, da werden keine Änderungen verschluckt. Die anderen Sender, die nicht durchwegs schlecht sind, bieten meist Fastfood für die Ohren. Ö1 ist ein mit Liebe zubereitetes 5 Gängemenü.
    Zu Sido und Dominik möchte ich auch noch Grissemann und Stermann reihen, die ich als Zumutung empfinde – reiner Brechstangenhumor.

    @Felix Welzenbach: Es geht in diesem konkreten Fall darum, dass Ö1 sehr viele freie Mitarbeiter einstellt, die nicht marktkonform bezahlt werden. Lange Recherchetätigkeit – Bezahlung nach Beitrag rechnet sich nicht für den Aufwand. Der Sender ist nicht in Gefahr.

  3. @Felix Welzenbach: die Ö1 Journale mag ich auch sehr, vor alllem in der Früh schätze ich die getragene Seriösität, wo nicht alles über drüber ist. oder Diagonal ist auch immer wieder hörenswert

    @Ente ja, Diagonal dauert sogar 2 Stunden. ich höre auch gern die Ö1-Sprecher beruhigend aber nicht einschläfernd. Dein Vergleich mit dem 5-GängeMenu finde ich schön. Stermann und Grissemann taugen mir auch nicht mehr. Das Jawohl mein Rührer war vor paar Jahren noch lustig, aber mir liegt deren Brachialhumor auch nicht. Das Stermannbuch hab ich letztes Jahr zu Weihnachten bekommen, ich habs nicht ausgelesen, weil es mich auch langweilte, weil es so vorhersehbar war.

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