Veröffentlicht in Uncategorized

Die große Hitze

Oder die Errettung Österreichs durch den Legationsrat Dr. Tuzzi ist ein Roman von Jörg Mauthe. Ein witziger Roman, wie hinten auf dem Umschlag steht, normalerweise ein Zeichen, dass das Buch unwitzig ist. Denkste, das ist feiner Humor vom Feinsten und österreichisch bis zum geht nicht mehr.
Der Inhalt ist kurz erzählt: Im Österreich der 70iger-Jahre herrscht seit 32 Monaten eine unerträgliche Hitze über das Land. Nun wurde der österreichische Beamte und Legationsrat Dr. Tuzzi beauftragt Wasser zu beschaffen. Jedenfalls stellt sich heraus, dass bei der Beschaffung nicht durch die Wissenschaft, sondern eher durch gesellschaftliche Beziehung eine Rolle spielt. Die größte Rolle spielen aber meiner Meinung nach Ironie, Sarkasmus, Wiener Schmäh und gelungene Seitenhiebe auf Politik, Beamtentum sowie sonstigen österreichischen Eigenarten oder eher gesagt Unarten. Im Zehnten und fast letztem Kapitel erörtert er die Verösterreicherung der Welt.
Zur Verösterreicherung der Welt möchte ich auch noch kommen. Aber bevor es soweit ist, muss ich euch noch meinen Lieblingssatz aus dem Buch unter der Nase reiben.

„Die Wissenschaftsministerin gackerte höhnisch, und der Verteidigungsminister sah aus wie ein Frankenstein-Monster, das sich ausnahmsweise wohl fühlt.“

Semantisch schon herrlich, und auch wenn man die österreichische Regierung sowohl von damals und auch heute zum Wiehern. Die Lustbarkeit dieses Satzes, hat sich bei mir noch gesteigert, aufgrund eines Blogeintrages, denn ich paar Monate vor dem Erwerb des Buches, 1. Auflage mit Widmung von Jörg Mauthe, die ich leider nicht entziffern kann und seit Montag ist es vollkommen aus bei mir. Nun, das klingt noch unklar und verschwurbelt. Semantisch find ich höhnisch gackernd super, weil das H, das normalerweise nach dem G kommt, diesmal vor dem H kommt. Zweitens, weil es zeigt, dass auch Frankensteins Monster Gefühle hat. Dann regierungsmäßig ist klar, dass Mauthe Karl Lütgendorf (der unter mysteriösen Umständen Selbstmord verübte) und Hertha Firnberg meinte. Letztere hat meiner Meinung nach eine Frisur wie ein Hühnernest. Zur heutigen Situation kann ich nur sagen, dass wir zwar einen männlichen Wissenschaftsminister haben, aber er zum Satz passenden Namen trägt – Hahn. Johannes Hahn. Zum Verteidigungsminister sag ich nur soviel, dass ich überzeugt bin, dass Norbert Darabos als Verteidigungsminister auch selten Gelegenheit hat, sich wohl zu fühlen. Im besagten Blogeintrag fragte ich basierend auf einen Artikel aus der Presse über einen indischen Lokalpolitiker namens Frankenstein, welcher unserer Landeshauptleute ziemlich Frankenstein-mäßig ist. Nun die Perfektion zu diesem Satz lieferte unser Noch-Innenminister Günther Platter. Am Montag gab er bekannt, dass er Landeshauptmann von Tirol wird. Das allein ist eigentlich überhaupt nicht komisch, aber er war bevor er Innenminister wurde Verteidigungsminister und als Innenminister, sah er ja auch nicht immer sonderlich glücklich aus, sondern eher wie ein Frankenstein-Monster, das sich nun ja nicht wohlfühlt. Aber am Montag hat er sich wohlgefühlt in der ZIB2, da hat er gestrahlt, wie ein Christbaum (ZIB2-Interview-Montag).

Nun möchte ich kurz einen Einblick auf die jüngste Entwicklung der Verösterreicherung von Österreich geben, die der Welt fehlen mir nun die Worte wegen der Hitze.
Die grosse Hitze in Österreich *ächz* wird wahrscheinlich durch die Reibung der beiden Großparteien erzeugt. Obwohl laue und maue Ergebnisse herausschauen und wir bald mit einer blauen kalten Dusche erwarten dürfen. Und die SPÖ versucht durch seltsame Volten wie einen Leserbrief in der „Kronenzeitung“ den freien Fall zu stoppen. „Das Medium ist die Botschaft.“ Salopp gesagt, sieht der Verfasser dieser These,McLuhan, dass wie man sich äußert so denkt. Die Botschaft ist, wir machen uns die Politik einfach. Zu einfach. Wichtig ist nur das Heute und was war, aber nicht die Zukunft. Ein Leserbrief greift ein Thema auf, stimmt zu, ergänzt, widerspricht oder stellt richtig. Kaum wird in einem Leserbrief mit Lösungen gearbeitet, sondern sie handeln oft nur vom Vergangenen. Vor allem die Leserbriefe in der Krone. Wenn Politiker ihre neue Linie nicht einmal vorher im Parteigremium absprechen, sondern mit Absprache des Zeitungsherausgebers! der größten meinungsbildenden Printmedium einen Leserbrief abfassen und die Linie ihrer Partei abschwenken entpolitisieren sich die Politiker und die Verantwortung und Macht wird abgegeben an einem Herausgeber. Im Klartext nicht mehr, was die Partei will geschieht, sondern was die auflagenstärkste Zeitung will. Auch wenn Hans Dichand, wie er selber sagt nur im Vorhof der Macht steht.
Hier zeigt sich ein typisch österreichischer Zug in Dichands Denken. Er relativiert seine Macht und offenbart durch seine Haltung auch Prinzipienlosigkeit. Der große Erfolg, der EU-Abstimmung (ca. 2/3 Ja-Stimmen) im Jahr 1994 war, wird oft damit gerechtfertigt, dass die Kronenzeitung dafür war. Nun hat der Herausgeber seine Prinzipien geändert und fuhr bzw. fährt seit Monaten Geschütze gegen den Lissabonner Vertrag auf. Man braucht nur die Kronenzeitung zu lesen.
Prinzipienlosigkeit und der Kampf dagegen ist typisch Österreichisch im kleinen sowie im Großen. In Österreich, wird Prinzipientreue bestraft und Prinziplosigkeit belohnt.
Bundeskanzler Josef Klaus trat zurück, nachdem er wie er im Wahlkampf sagte, dass er als 2. bei einer Wahl zurücktritt. Die ÖVP war daraufhin 16 Jahre in der Opposition. Wolfgang Schüssel meinte 1999, er gehe als Dritter in Opposition – die ÖVP wurde Dritte und Wolfgang Schüssel Bundeskanzler. 2002 wurde die ÖVP gar stärkste Kraft. Andreas Khols Reaktion: „Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit.“ zeigt Relativismus pur.
Juristisch wird oft um die korrekte Handlung geschwindelt mit den in Österreich typischen Satz: Da werden wir keinen Richter brauchen. Somit werden immer Ausnahmen von der Ausnahme der Ausnahme in der Regel gemacht. Und wenn man auf die Regeln beharrt, gilt jener oft als kaltschnäuzig und I-Tüpfelchenreiter. Dass man durch diese Schlampigkeit noch mehr Chaos und in gewissen Sachen Elend verursacht wird übersehen. Den hier gilt dann das Recht der Stärkeren, der schöneren, der gesellschaftlichen Beziehungen mit weitaus weniger Rechtsanspruch, der charismatischeren und so weiter mehr dass man jetzt erst recht auf Gnade angewiesen ist. Und hier ist man erst recht auf die Gnade der Einflussreichen ausgeliefert.
Angesichts Dichands Macht, auch wenn schon weniger einflussreich wie zuvor, trifft Viktor Adlers Worte Anfang des 20. Jahrhunderts zu. „In Österreich herrscht der Absolutismus, gemildert durch Schlamperei.“ Den Gnade die, die sich nicht beugten.
Ja, ich bin mir bewusst das Prinzipienreiterei nix bringt und Sachzwänge auch eine Abänderung herbeiführen. Koalitionen bauen darauf, dass man da Kompromisse schließt. Aber allein um die Macht Prinzipien über Bord zu werfen finde ich falsch. Ja, ich fang auch schon an zu relativieren…

Falls ihr hier im Text einen Fehler findet, dürft ihr ihn erstens gerne behalten und zweitens wisst ihr nun von wo diese Schlampigkeit kommt.
Und ja, ich freue mich über Diskussionen. Kommentare sind ausdrücklich erwünscht!!!

Advertisements

Autor:

blog: weltbeobachterin.wordpress.com twitter: @weltbeob8erin

Ein Kommentar zu „Die große Hitze

  1. Jörg Mauthe! Danke für die Erinnerung an diesen großartigen Mann. Der war übrigens Kulturstadtrat für die ÖVP in Wien. Auch so etwas gab es erfreulicherweise.

    Zur Allmacht der Kronenzeitung: Ich fürchte, es ist schlimmer, denn wie ich jeden Tag in den Öffis sehe, lesen nun alle Leute „Heute“ und „Österreich“. Diese Machwerke finde ich noch um Klassen schlimmer als die Krone. Ich würde die lieber gestern als heute verbieten!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s